30.10.2018

Pressemitteilung Einblicke in die Geschichten geflüchteter Menschen

Es ist kein leichter Stoff, den die Fotoausstellung „Menschen auf der Flucht“ vermittelt. 30 beeindruckende Bilder der Fotoagentur Magnum Photos zeigen Motive aus dem Alltag von Flüchtlingen, Begleittexte erklären die Geschichte hinter den Aufnahmen. Noch bis 15. November sind die Bilder auf Initiative von Amnesty International im Foyer des Landratsamts Miltenberg zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

In Ausstellungen im Landratsamt stehe häufig die Kunst im Mittelpunkt, erklärte Landrat Jens Marco Scherf bei der Eröffnung am Montagabend, aber auch „harte Themen“ wie „Menschen auf der Flucht“. 65 Millionen Menschen seien 2016 auf der Flucht gewesen, wusste der Landrat, aktuell seien über 68 Millionen und es würden sicherlich noch mehr. Die führenden Wirtschaftsnationen USA, China, Japan, Deutschland, Großbritannien und Frankreich beherbergten weniger als neun Prozent aller Flüchtlinge weltweit, dagegen hätten Jordanien, die Türkei, Pakistan, Libanon, Südafrika und die besetzten palästinensischen Gebiete fast zwölf Millionen Flüchtlinge aufgenommen – mehr als 50 Prozent der weltweit Geflüchteten. Hinter den reinen Zahlen stecke aber Gefahr, dass man die dahinterstehenden individuellen Schicksale übersehe, so Scherf. Er wandte sich energisch gegen das Schubladendenken, mit dem Menschen aufgrund ihrer Herkunft ein Etikett verpasst bekommen. Der Landrat dankte in diesem Zusammenhang ausdrücklich allen Menschen, die sich ehrenamtlich und in Organisationen für Flüchtlinge einsetzen.

Die allgemeine UN-Erklärung der Menschenrechte stehe im Mittelpunkt der Bemühungen von Amnesty International, erklärte die Gruppensprecherin der Miltenberger Amnesty-Gruppe, Barbara Thienel. Viele Staaten, die die Erklärung unterzeichnet hätten, nähmen diese heute aber nicht mehr ernst, kritisierte sie. Flucht und Fluchtursachen stellten ein dauerhaftes Problem dar, meinte sie und stellte klar: „Menschenrechte gelten für Jeden, unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht.“ Die Fotografien gäben Einblick, was Flucht heißt und welche Entbehrungen Menschen auf der Suche nach Sicherheit auf sich nehmen. Zurzeit erlebe die Welt eine Krise der Verantwortung und der Solidarität, stellte sie fest. Wenn die europäischen Regierungen solidarisch wären, ließe sich die Flüchtlingsproblematik lösen, zeigte sie sich überzeugt. Doch sei die Reaktion der internationalen Gemeinschaft nach wie vor unzureichend, leitete sie zu den Forderungen von Amnesty über: die Schaffung von legalen und sicheren Routen für Flüchtlinge und die Beseitigung der Fluchtursachen. „Amnesty braucht viele Unterstützer“, sagte sie und lobte die vielen Helferinnen und Helfer in den Helferkreisen. „Es ist schwierig, Fuß zu fassen in einem fremden Land, wenn man alles aufgegeben hat“, warb sie um Verständnis für die Flüchtlinge.

Wolfgang Härtel, Leiter der Flüchtlings- und Migrationsberatung des Caritaskreisverbands Miltenberg, blickte auf die Geschichte der renommierten Fotoagentur Magnum Photos zurück, die 1947 von den Fotografen Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David Seymour und George Rodger gegründet wurde. Alle Fotografen hätten den Krieg hautnah miterlebt, wusste er. Sie hätten gehofft, der Gesellschaft mit ihren Bildern von Krieg, Vertreibung und Flucht den Spiegel vorzuhalten. Diese Hoffnung habe sich leider nicht erfüllt, bedauerte Härtel mit Blick auf die aktuellen Kriege und Flüchtlingsströme. Er kritisierte in diesem Zusammenhang sprachliche Entgleisungen wie „Asyltourismus“ und „Asylflut“. „Diese Menschen flüchten nicht, weil sie gerade nichts Besseres zu tun haben“, sagte er und erinnerte an die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals seien auch im Landkreis Miltenberg Vertriebene untergebracht worden – häufig direkt in den Wohnungen der Bevölkerung. Damals habe Deutschland eine große Integrationsleistung vollbracht, lobte er. Die gesellschaftlichen Anforderungen durch die Flüchtlinge seien eine große Herausforderung, die nur mit großer ehrenamtlicher Unterstützung gelingen könne, sagte Härtel und dankte allen Aktiven.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung von Mirjam Krausert alias „Fraukrausert“, die zu Gitarre und Keyboard selbst komponierte Lieder vortrug. Darin fasste sie Eindrücke zusammen, die sie während ihres Engagements für Flüchtlinge in Helferkreisen gesammelt hatte.

2018-10-30_Landkreis Miltenberg - Pressearchiv
Interessiert hören Landrat Jens Marco Scherf (links) und Wolfgang Härtel den Ausführungen von Barbara Thienel (Amnesty) beim Rundgang durch die Ausstellung zu.

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