14.10.2020

Pressemitteilung Ausschuss empfiehlt Flächenherausnahme aus Landschaftsschutzgebiet

Der Kreistag muss am 19. Oktober entscheiden, ob eine Fläche von insgesamt 17 Hektar auf der Ebenheider Höhe bei Eichenbühl aus dem Landschaftsschutzgebiet Bayerischer Odenwald herausgenommen wird, damit die Firma Trianel mit der Gemeinde Eichenbühl eine Solaranlage erstellen kann. Der Ausschuss für Natur- und Umweltschutz entschied bei einer Gegenstimme, dem Kreistag eine positive Empfehlung zu geben.

Die Anlage selbst soll auf einer Fläche von zehn Hektar entstehen. Damit aber keine Insel entsteht, sollen auch angrenzende Flächen bis zur Landesgrenze nach Baden-Württemberg sowie der Ebenheider Hof aus dem Schutzgebiet herausgenommen werden, sodass es am Ende 17 Hektar sind. Bei der in Frage kommenden Fläche am Rande des Landschaftsschutzgebietes handelt es sich um intensiv genutztes Acker- und Dauergrünland, das von der Wertigkeit des Bodens her eher fachlich nachrangig einzuschätzen ist. Die Funktion dieser Fläche ist ein Puffer für das Schutzgebiet. Im Rahmen des Anlagenbaus soll die Fläche durch Ausbringen von ökologisch wertvollen Pflanzen zudem aufgewertet werden. Durch die Herausnahme der Fläche sind lediglich 0,057 Prozent der Fläche des Landschaftsschutzgebiets betroffen.

Wie Umweltjurist Stefan Pache erläuterte, seien alle anerkannten Umweltverbände um Stellungnahmen gebeten worden. Dabei hätten zahlreiche Verbände positive Stellungnahmen abgegeben, manche hätten kleinere Anmerkungen gehabt oder keine Rückmeldung gegeben. Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz sowie die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) hätten die Herausnahme abgelehnt. Laut BN sei es etwa nicht zielführend, zur Förderung von Solaranlagen offene und wirtschaftlich gut nutzbare Flächen heranzuziehen und damit den Flächenschwund voranzutreiben. Der Spagat zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und der Nutzung regenerativer Energien wurde auch in mehreren Wortmeldungen deutlich. Warum der Bauernverband nicht für eine Stellungnahme kontaktiert worden sei, wurde gefragt. Im Verfahren seien laut vorgegebener Liste alle anerkannten Umweltverbände abgefragt worden, erläuterten Stefan Pache und Landrat Jens Marco Scherf, der Bauernverband gehöre nicht dazu. Das Amt für Landwirtschaft habe jedoch im Rahmen der Anhörung eine positive Stellungnahme abgegeben. Die Solaranlage solle zudem im Einvernehmen mit dem Flächeneigentümer errichtet werden, ergänzte der Landrat, auch erhöhe sich durch die Anpflanzung der Wert der Fläche. Auf Zustimmung stieß der Vorschlag, bei Solarvorhaben künftig zu prüfen, ob man nicht die Solarpanels höhersetzen kann, so dass darunter Beweidung möglich ist. Die Entscheidung, ob die Flächen aus dem Schutzgebiet herausgenommen werden, wird nun der Kreistag am 19. Oktober 2020 treffen.

Landrat Jens Marco Scherf informierte das Gremium, wie es um die Weiterentwicklung des Naturparks Spessart steht. So sei eine Idee aufgekommen, in den Grenzen des Naturparks ein Biosphärenreservat zu entwickeln. Die drei bayerischen Gebietskörperschaften sähen diese Idee grundsätzlich positiv, berichtete Scherf. Ein solches Reservat biete die Möglichkeit, die Interessen der Nutzung (Holzrechte) und Pflege mit denen des Schutzes der Natur gut zu vereinbaren. Man befinde sich aber noch in einer sehr frühen Phase, so der Landrat. Sollte sich die Vereinbarkeit aller Interessen bestätigen, würde eine ausführliche und transparente Informationsphase folgen, kündigte er an. Klar sei aber, dass die Realisierung nur möglich sei, wenn alle Gesichtspunkte unter einen Hut gebracht werden könnten, stellte er fest und gab dem Gremium noch Informationen über die Teile eines solchen Biosphärenreservats, das aus Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone besteht. Der Ausschuss sähe es mit Wohlwollen, wenn auch der hessische Teil des Spessarts in die Pläne mit einbezogen würde.

Zu Beginn der Sitzung hatte Landrat Jens Marco Scherf den Bürgstadter Bürgermeister Thomas Grün (Freie Wähler) als Mitglied des Kreistags vereidigt, da Grün in der konstituierenden Sitzung gefehlt hatte.
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