01.02.2008

Pressemitteilung Gertrud ist die erste Gärtnerin!

Dieser Spruch besagt, dass ab Mitte März die Arbeiten in der neuen Gartensaison aufgenommen werden können. Doch gilt diese alte Volksweisheit auch in Zeiten des Klimawandels? Schließlich ist die globale Erwärmung keine fixe Idee, sondern mit verschiedensten Klimamodellen bestätigt.

Unabhängig von der Diskussion, inwieweit der Mensch für die Klimaerwärmung verantwortlich ist, stellt sich auch für den Hobbygärtner die Frage: Worauf muss ich mich gefasst machen? Können künftig Palmen und Zitronen im Winter draußen bleiben?

Das bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft hat einen Klimabericht veröffentlicht und ins Internet gestellt mit dem Titel: „Der Klimawandel in Bayern für den Zeitraum 2021 – 2050“. Wenn auch, wie die Autoren vermerken, die Ergebnisse im Einzelnen noch Unsicherheiten haben, so stimmt die Tendenz: Es wird wärmer und zwar das ganze Jahr hindurch.

Verglichen mit dem Zeitraum 1971 – 2000 wird die mittlere Lufttemperatur im Sommer um ca. 1,4° C ansteigen auf eine mittlere Tagestemperatur von 15° C. Gravierender wird der Temperaturanstieg um 2°C im Winter sein. Als künftige mittlere Temperatur im Winter ist mit +3,5° C zu rechnen.

Tage über 25° C nennt man Sommertage. Ihre Zahl wird ansteigen. Heiße Tage dagegen sind Tage, mit über 30° C. Ihre Zahl wird um 100 % ansteigen. Frosttage dagegen werden um 25 % abnehmen. Eistage, also Tage, deren Temperatur nie über 0° C steigt, werden sogar um 50 % weniger. Wir können ja gebietsweise jetzt schon beobachten, dass die „Eisheiligen“ nicht mehr stattfinden.

Also können wir in 20 Jahren die Zitronen doch draußen lassen? Natürlich nicht. Denn wir wissen ja, dass Klimadaten Durchschnittswerte sind, d. h. es kann durchaus sehr kalte Winter geben, mit Temperaturen unter -10° C – und schon ist vorbei mit der mediterranen Pracht.

Wie sieht es aber mit den Niederschlägen in Zukunft aus? Es wird zu einer Verschiebung kommen. In den Monaten Mai bis Oktober, so heißt es in dem Bericht, wird sich relativ wenig ändern. Im Winterhalbjahr November bis April aber, wird es eine starke Zunahme der Niederschläge geben, gebietsweise bis zu 35 %! Umgekehrt wird es im Sommer mehr Trockentage mit weniger als 1 mm Niederschlag geben.

Für uns Gärtner heißt dies, dass in der heißen Zeit mehr gegossen werden muss, während im Winter Wasserüberschuss herrscht. Sommerliche Wärme in der Kombination mit intensiven Niederschlägen passte bislang bei uns gut zueinander. In Zukunft werden wir aber Verhältnisse bekommen, die denen in Oberitalien ähnlich sind. Was die Bauern bei uns seit geraumer Zeit praktizieren, nämlich die zunehmend frühere Bestellung der Äcker, wird auch in den Gärten zur Regel werden – frühere Aussaaten, um die Feuchte des Bodens auszunutzen.

Bei der Auswahl von Stauden und Gehölzen ist zu bedenken, dass künftig vor allem solche Pflanzen einen Vorteil haben, die sich im Sommer zurückziehen. Beispiele sind die Madonnenlilien, die nach der Blüte in einen Ruhezustand übergehen und im September wieder austreiben. Genau so verhält sich der orientalische Mohn (Papaver orientale), aber auch viele Zwiebelgewächse, wie Tulpen und Krokus. Wir werden blattreiche, große Sommerstauden viel gießen müssen und wohl besser umsteigen auf graulaubige, das Sonnenlicht besser reflektierende Pflanzen, auf sukkulente Dickblattgewächse wie Sedum- und Sempervivumarten und -sorten, auf tiefwurzelnde Gräser und Nelken, die eine ganze Menge Trockenheit vertragen. Bislang etwas kritische Pflanzen, wie südamerikanische Agapanthus und Monbretien wird man nicht mehr aus dem Boden nehmen müssen, es sei denn, dass Ihnen eine zu große Winterfeuchtigkeit zusetzt.

Relativ winterharte Rosmarine werden wir noch besser durch den Winter bringen und auch Pflanzen, die sich bei uns im Grenzbereich befinden, wird es besser gehen, z. B. den Bartblumen, einigen Kamelien, Zistrosen und sogar Passionsblumen.

Im Obstgarten wird man sich vom kühleliebenden Apfel mehr auf Birnen umstellen müssen und sich vielleicht mit dem Anbau von Kiwis befassen. Im Gemüsegarten haben künftig Artischocken eine bessere Überwinterungschance, auch wird man mehr Gemüsesorten über Winter halten können: Zwiebeln, Salate, Mangold, Möhren.
Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Miltenberg, Herrn Roman Kempf, unter Telefon 09371 501-582.

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