01.10.2012

Pressemitteilung Altweibersommer

Der Altweibersommer, auch gerne die fünfte Jahreszeit genannt, ist für viele die schönste Zeit im Jahr. Neben dem oft stabil schönen Wetter erscheint die Natur durch die manchmal plötzlich anmutende Laubverfärbung wie verzaubert. Wetterlagen, die zu bestimmten Zeitabschnitten im Jahr mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit auftreten, bezeichnen die Meteorologen als eine Singularität, einen so genannten Witterungsregelfall. Auch die Eisheiligen und die Hundstage sind solche regelmäßig auftretenden Witterungslagen.

Was aber hat dieses Naturphänomen mit alten Weibern zu tun? Die Bezeichnung Altweibersommer ist erst seit etwa 1800 gebräuchlich. Die altdeutsche Herkunft des Wortes „weiben“ hat aber nichts mit unserem heutigem Sprachgebrauch zu tun. „Weiben“ stand ganz allgemein für weben, insbesondere jedoch auch für das Knüpfen von Spinnweben. Über dem noch warmen Boden im Herbst entwickeln sich tagsüber Aufwinde. Von diesen lassen sich junge Baldachinspinnen an ihren Fäden in die Höhe tragen, um dann mit einer seitlichen Luftströmung davon zu schweben. Sie tun das, um sich ein eigenes Revier zu suchen und gleichzeitig einen Platz für die Überwinterung zu finden. Nach kühlen Nächten bilden sich Tautröfchen auf den herumschwebenden Fäden und den Spinnnetzen. Diese glitzern in der Morgensonne wie sorgfältig, aufgereihte Perlen.

Diese feinen grau, glänzenden Spinnfäden erinnern an die Haare alter Frauen, was eine weitere Erklärung für den Namen „Alt-Weiber-Sommer“ ist. Das Landgericht Darmstadt hat 1989 festgestellt, dass dieser Ausdruck kein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht älter Damen darstellt. Früher, als die Menschen noch vertrauter waren mit Mythen, glaubten sie Lebensfäden zu sehen, gesponnen von alten weisshaarigen Schicksalsgöttinnen. Vielerorts wurde auch die Jungfrau Maria als Urheberin der Seidenfäden betrachtet. So sprach man auch vom „Mariensommer“, „Marienfäden“, „Marienseide“ oder von „Marienhaar“. Verfingen sich solche Spinnfäden in den Kleidern, so sollte dies Glück bringen. Oder kranke Augen sollte man mit dem Tau, der in den Spinnweben hängt, befeuchten. Darüber hinaus hielt der Volksglaube die Spinnfäden auch für Gespinste von Elfen und Zwergen.

Die herbstliche Laubverfärbung wird durch die großen Temperaturschwankungen von Tag und Nacht ausgelöst – für die Pflanzen ein Hinweis auf den nahenden Winter. Die Photosynthese lässt nach, das für die Grünfärbung verantwortliche Clorophyll wird abgebaut und es bilden sich dafür zuckerhaltige Farbstoffe. Zudem können sich durch das Verschwinden des Chlorophylls andere, schon den Sommer über im Blatt vorhandene Farbstoffe, durchsetzen. Sie geben den Blättern die typische gelbe bis orange Herbstfärbung.

Es ist ein großes Finale, das uns die Natur so beschert. Die Tage des draußen sitzen, essen und feiern sind gezählt. Ein Hauch von Melancholie und Abschied hängt in der Luft. Denn auf den Altweibersommer folgt leider meist nasses, kaltes Hebst- und Winter-Wetter. Eine Bauernregel besagt denn auch: „Wenn viele Spinnen kriechen, sie schon den Winter riechen“.

Weitere Infos erhalten Sie beim Fachberater für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Miltenberg, Herrn Roman Kempf, unter Telefon 09371 501-582.

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