01.02.2015

Pressemitteilung Ist der Winterschnitt von Obstgehölzen noch zeitgemäß?

Für den Obstbauern früherer Generationen war es keine Frage:Obstbäume werden im Winter geschnitten. Eine einzige Einschränkung war zugelassen: Bei Minustemperaturen hieß es “Finger weg von den Bäumen”, weil das gefrorene Holz beim Schneiden reissen könnte und so schlecht verheilende Wunden entstehen. Wie so vieles heutzutage wird auch diese alte Obstbauern-Weisheit in Frage gestellt und der Hobbygärtner ist verunsichert: Soll er seine Bäume im Winter schneiden oder nicht?

Für die Wahl des richtigen Obstbaumschnitts spielen verschiedene Kriterien eine Rolle. Während im Erwerbsgartenbau vor allem der Ertrag wichtig ist, werden im Hobbygarten auch ästhetische und ökologische Aspekte berücksichtigt. Doch der Schnitt hat nicht nur auf die Ertragsmenge, sondern auch auf die Lebensdauer von Obstgehölzen Einfluss. Außerdem verringert er die Alternanz, d.h. er mildert den jährlichen Wechsel von übermäßigem und geringem Ertrag. Auch bekommen die Früchte eine höhere Qualität, sie sind größer und durch die bessere Belichtung erhöhen sich auch die gesunden Inhaltsstoffe.

Wie reagieren Bäume, wenn sie geschnitten werden? Wenn Äste abgetrennt werden, liegt der Holzkörper frei und die Leitungsbahnen, in denen das Wasser transportiert wird, sind angeschnitten. Es ist eine Baumwunde vorhanden. Erfolgt der Schnitt während der Wachstumsperiode, z. B. im Juni/Juli, so wird das Kambium durch die Verletzung angeregt sofort neue Zellen zu bilden und die Wunde zu überwallen. Die Leitungsbahnen werden vom Baum mit speziellen Mechanismen verschlossen, die einen Lufteintritt verhindern. Zusätzlich lagert der Baum pilzhemmende Stoffe im Holzkörper ein, um den befallenen Bereich abzugrenzen.

Erfolgt der Schnitt im Winter, entsteht vor allem bei großen Wunden für den Baum ein ganzes Bündel von Problemen, auf das er nicht angemessen reagieren kann. Das Kambium ist in der Ruhephase, die Wachstumsschicht des Baumes, die die Wunde überwallen soll, liegt offen, trocknet aus, ist evtl. dem Frost ausgesetzt und stirbt mehr oder weniger weit ab. In die Leitungsbahnen dringt Luft, sie trocknen aus und verlieren ihre Funktion. Pilzsporen können die Wunde besiedeln. Diese keimen aus, die Pilze zersetzen das Holz und dringen tiefer ein. Es tritt ein Wettlauf ein zwischen Wundverschließung des Baumes und möglicher Pilzinfektion. Die Erfahrung zeigt: Der Pilz gewinnt, der Baum verliert. Da helfen auch Wundverschlussmittel weinig.

Hobbygärtner meiden den Sommerschnitt aus Angst, der Baum könnte ausbluten. Dies wurde eingehend untersucht. Es hat sich gezeigt, dass der Saftverlust den Baum nicht schwächt. Bei Walnuss- und Kirschbäumen bewährt sich ein Sommerschnitt sogar ausgesprochen gut, da hierdurch dem Gummifluss und anderen Krankheiten vorgebeugt wird. Aber auch bei allen anderen Obstsorten verläuft die Wundheilung nach einem Schnitt in den Sommermonaten wesentlich besser als im Winter.

Wann immer es geht, sollte also der Sommerschnitt bevorzugt werden. Bei Niederstamm- und Spalierobst hat diese Methode einen zusätzlichen Vorteil: Sie beruhigt das vegetative Wachstum und fördert die Blütenbildung, eine Voraussetzung für guten Ertrag.

Weitere Infos erhalten Sie beim Fachberater für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Miltenberg, Herrn Roman Kempf, unter Telefon 09371 501-582.
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