01.03.2011

Pressemitteilung Vertikutieren - lohnt sich das?

Als Vertikutieren bezeichnet man das vertikale Schlitzen der Grasnarbe um Rasenfilz zu entfernen. Wir kennen das aus dem professionellen Bereich und glauben, was auf Fußball- und Golfplätzen geschieht, ist auch für unseren Rasen gut. Stimmt das?

In Stadien und Arenen kommt es in erster Linie darauf an, dass der Rasen bei jedem Wetter betret- und bespielbar ist. Erst in zweiter Linie steht die Qualität der Grasnarbe. Um eine möglichst hohe Belastbarkeit und Wasserdurchlässigkeit zu erreichen, muss die Rasentragschicht, also die Schicht, in der der Rasen wächst, zum Hauptteil aus Sand bestehen. Hierdurch soll bei einer maximalen Wasserdurchlässigkeit eine möglichst gute Scherfestigkeit erreicht werden.

Dadurch entsteht aber ein Boden, der so mager und pflanzenfeindlich ist, dass ein halbwegs vernünftiger Landwirt nicht einmal Roggen darauf säen würde. Um auf einem solchen Boden trotzdem guten Rasen gedeihen zu lassen, sind Spezialisten notwendig - und auch spezielle Pflegemaßnahmen.

Durch das Fehlen von Bodenorganismen baut sich nämlich der natürliche Rasenfilz, der durch liegen gebliebenes Mähgut entsteht, nicht ab, so wie das auf natürlichen Gartenböden der Fall ist. Er muss durch Striegeln und Vertikutieren manuell entfernt werden. Auch werden durch das Bespielen der Rasenfläche mit Stollen Gräser in den Boden gestampft und dort zum Teil anaerob, d.h. unter Luftabschluss, zersetzt. Das kann einen harten, wasserabweisenden Filz verursachen, der die Wasserdurchlässigkeit behindert. Deshalb ist der Rasenfilz im professionellen Bereich unerwünscht und muss durch eine Gewaltmaßnahme, bei der immer auch die Grasnarbe geschädigt wird, entfernt werden. Diese Maßnahme besteht beim Profi immer aus vier Arbeitsschritten: Vertikutieren, um den Filz zu entfernen, besanden, um die Wasserdurchlässigkeit zu erhöhen und den verbleibenden Filz zu „verdünnen“, nachsäen, um die ramponierte Grasnarbe wieder zu schließen und düngen, um die verbliebenen Gräser zu stärken.

Im Privatgarten ist aber nicht die Wasserdurchlässigkeit das höchste Ziel, sondern ein schöner Rasen. Auch gibt es auf guten Gartenböden nie mehr als einen Zentimeter lockeren Filz, der für die Grasnarbe sogar wichtig ist. Somit ist Rasenfilz also nicht das Problem. Was den Hobbygärtner in seinem Rasen stört, ist Moos. Moos hat aber mit Rasenfilz nichts zu tun. Moos ist eine Zeigerpflanze für Stickstoffmangel.

Es kommt immer dann, wenn zu wenig gedüngt wird und der Boden dadurch nährstoffarm ist. Meist ist das im Kronenbereich von Bäumen und im Bereich von Hecken zuerst der Fall, weshalb sich hartnäckig das Gerücht hält, Moos komme vom Schatten und von feuchten Böden. In Wirklichkeit werden in diesen Bereichen die Nährstoffe von den flachen Saugwurzeln der Bäume und Sträucher nur schneller verbraucht und es besteht dort einfach mehr Bedarf an Dünger. Zwar ist es so, dass sich Dünger, vor allem organischer Dünger, in Schattenlagen schlechter umsetzt und dass dort das Gras wegen Lichtmangels auch nicht so gut wächst, doch ist dies nicht ursächlich für das Moos, sondern es kommt nur erschwerend hinzu.

Was passiert eigentlich, wenn eine vermooste Rasenfläche vertikutiert wird, um das Moos manuell zu entfernen? Zum einen werden Rasenpflanzen, die ohnehin schon gestresst und hungrig sind, noch zusätzlich verletzt und Blatt- und Wurzelmasse wird zerstört. Zum anderen werden, gerade im Frühjahr, regelrechte „Landebahnen“ für Unkrautsamen geschaffen, besonders für den Löwenzahn, der bereits sehr zeitig fliegt. Je öfter man also vertikutiert, je mehr man die Grasnarbe verletzt, desto mehr Unkraut wächst und umso schneller wird der Rasen unansehnlich. Und auch das Moos wird man nicht los. Mögen die Haufen, die man entfernt, auch noch so groß sein, es bleiben durch das Vertikutieren genügend kleine„Moosstecklinge“ übrig, die sofort weiterwachsen und sich vermehren.
Was der Rasen im Hausgarten braucht ist Dünger –  und bei Trockenheit auch Wasser. 3 Düngegaben pro Jahr sind in der Regel notwendig, um einen perfekten Rasen zu erhalten. Entsprechend häufig muss dann allerdings auch gemäht werden. Wer diesen Aufwand scheut oder aus ökologischen Gründen ablehnt, muss Moos und Unkräuter in Kauf nehmen. Vertikutieren ist kein Ersatz.

Weitere Infos erhalten Sie beim Fachberater für Gartenkultur und Landespflege im Landratsamt Miltenberg, Herrn Roman Kempf, unter Telefon 09371 501-582.

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