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Pressemeldung vom 03.11.2009 |
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Risikofaktoren schon früh erkennen und handeln

Kreis Miltenberg. Beim Kinderschutz kann man nicht früh genug ansetzen – das beweisen zahlreiche Negativschlagzeilen in den Medien im Zusammenhang mit Kindesmisshandlungen. Der Landkreis Miltenberg hat deshalb eine Stelle für Koordinierenden Kinderschutz (Koki) eingerichtet. Seit dem 1. August 2009 kümmert sich die 37-jährige Diplom-Sozialpädagogin Iris Neppl darum, ein „Netzwerk frühe Kindheit“ zu knüpfen.
Grundlage für die neue Stelle, die am Jugendamt angesiedelt ist, ist ein Beschluss der Bayerischen Staatsregierung vom Februar letzten Jahres, wonach Kommunen von 2009 an bei der Etablierung sozialer Frühwarn- und Fördersysteme finanziell unterstützt werden. Vorhergegangen waren positive Ergebnisse eines länderübergreifenden Modellprojekts namens „Guter Start ins Kinderleben“. Dabei waren in Erlangen und Traunstein erstmals Koordinierende Kinderschutzstellen eingerichtet worden. Unter wissenschaftlicher Leitung waren optimale Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten junger Familien durch Kooperationen und Vernetzung verschiedener Stellen untersucht und weiterentwickelt worden.
Iris Neppl, die zuletzt im Allgemeinen Sozialen Dienst in der Landratsamts-Dienststelle in Obernburg arbeitete, hat sich in ihren ersten 100 Tagen in ihr neues Themenfeld eingearbeitet, Handlungsempfehlungen schriftlich zusammengefasst und damit begonnen, Kontakte zu allen Stellen der Region aufzunehmen, die sich mit dem Kinderschutz beschäftigten. Genau das ist die Idee, die hinter Koki steckt: Schon frühzeitig sollen Risikofaktoren für Kinder erkannt werden – und das geht nur, wenn möglichst viele Stellen zusammenarbeiten. Dazu gehören unter anderem die Akteure der Jugendhilfe, Schule, Polizei, die Träger der Grundsicherung, Beratungsstellen, Hebammen, Ärzte und Kliniken. „Meine Aufgabe ist es, alle relevanten Stellen nachhaltig zu vernetzen“, beschreibt Neppl ihren Arbeitsbereich.
„In diesem Bereich kann man etwas gestalten, kann agieren statt reagieren“, beschreibt die Pädagogin einen Grund, warum sie sich für die Stelle beworben hat. Ihr Ziel ist es, Risikofaktoren für Kinder im Alter bis zu sechs Jahren so früh wie möglich auszuschalten und bereits in einem frühen Stadium betroffenen Familien Hilfen zu vermitteln. Dabei sollen zunächst die Kompetenzen der Fachstellen genutzt werden, die sich bereits mit Familienfragen befassen. „Ich hoffe, dass es gelingt, noch früher an sogenannte Risikofamilien zu kommen“, sagt Iris Neppl.
Sie berät beispielsweise Bürger oder Fachpersonal, die Auffälligkeiten in ihrem Umfeld wahrnehmen, aber nicht einschätzen können, ob schon eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Diese Menschen möchten häufig eine unabhängige und anonymisierte fachliche Beratung – und genau das bekommen sie in der Kinderschutzstelle. Die Anonymität wird dadurch sichergestellt, dass die Anrufer weder Name noch Wohnort der betroffenen Familie nennen müssen. Neppl sagt, wie sie die Lage einschätzt und welche geeigneten Beratungsangebote man den betroffenen Familien unterbreiten könnte. Obwohl die Koki-Stelle unter dem Dach des Jugendamts angesiedelt ist, erfährt das Jugendamt von diesen Gesprächen nichts, versichert die aus dem Landkreis Miltenberg stammende Pädagogin – es sei denn, ihr wird ein konkreter Familienname genannt und es besteht eine akute Gefährdung. „Dann“, sagt sie, „habe ich keine andere Wahl, als den Allgemeinen Sozialen Dienst einzuschalten.“ Iris Neppl informiert aber auch über weiterführende Hilfen zum Kinderschutz und bestehende regionale Bildungsangebote im Bereich der frühen Hilfen; darüber hinaus bietet sie Fortbildungen und Beratungen für Mitarbeiter des Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitswesens an.
Die bisherige Resonanz auf die neue Stelle, bilanziert die Sozialpädagogin, habe sie als positiv empfunden – beispielsweise bei Besuchen bei diversen Kindergartenleitungen. Diese seien überwiegend dankbar dafür, dass es nun eine Stelle gibt, bei der auf einfache Art und Weise Fragen beantwortet werden, ohne dass gleich das Jugendamt eingeschaltet werden muss. „Das Jugendamt jagt oft Angst und Schrecken ein“, hat Neppl beobachtet, deshalb sei die Hemmschwelle sehr hoch, Beobachtungen dort zu melden. Ihr Terminplan ist in den nächsten Wochen gut gefüllt; zahlreiche Antrittsbesuche bei verschiedenen Fachstellen sind geplant. Auch einige Termine in Kindergärten stehen an – zum Teil nur, um sich vorzustellen, zum Teil aber auch mit konkreten Fallberatungen. Für den 27. Januar 2010 hat sie eine Kinderschutzkonferenz geplant, bei der die Verbandsspitzen der freien Wohlfahrtsverbände, der Ärzte, der Beratungsstellen und weiterer Organisationen zusammenkommen. Auch hat Iris Neppl vor, Fachtage zu veranstalten – eventuell im Wechsel mit den Kinderschutz-Kollegen aus Aschaffenburg. Dort gibt es die Stelle bereits seit rund eineinhalb Jahren, erzählt Iris Neppl. Aus Gesprächen mit den Kollegen weiß sie, dass die Stelle dort sehr gut angenommen worden sei. Das, sagt die Fachfrau, „macht mir auch für den Landkreis Miltenberg Mut.“
Erreichbar ist Iris Neppl in der Obernburger Dienststelle des Landratsamts Miltenberg, Römerstraße 91, in Raum E07, Telefon, 06022 / 6200-614, Fax 06022 / 6200-79-203, E-Mail: iris.neppl@lra-mil.de
Weitere Informationen zum koordinierenden Kinderschutz gibt es auf der Internetseite des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen unter www.sozialministerium.bayern.de
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