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Pressemeldung vom 04.02.2010 |
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Weichen stellen für die integrierte ländliche Entwicklung
Das Interesse der Bürgermeister des Südspessarts und des Odenwalds an einem Strategieseminar zur integrierten ländlichen Entwicklung ist groß. Das ist das Ergebnis einer Gesprächsrunde am Montag im Landratsamt. Peter Kraus, Leiter der Abteilung Land- und Dorfentwicklung am Amt für Ländliche Entwicklung Würzburg, hatte den Bürgermeistern zuvor berichtet, wie sein Amt die integrierte ländliche Entwicklung fördert.
Nach einer Einführung durch die stellvertretende Landrätin Claudia Kappes stellte Kraus, der seit September 2009 der Abteilung Land- und Dorfentwicklung für die Landkreise Aschaffenburg, Haßberge, Kitzingen, Miltenberg und Schweinfurt vorsteht, über die Aktivitäten seines Amts, der früheren Flurbereinigungsdirektion. Das Amt betreut zurzeit 250 Flurneuordnungsverfahren und 160 Dorferneuerungsverfahren, erklärte Kraus. Im Landkreis Miltenberg gebe es aktuell neun Flurneuordnungsverfahren, darunter zwei freiwillige Landtäusche. Auch 15 Dorferneuerungsverfahren würden betreut, sagte Kraus. Elf weitere Projekte im Landkreis stünden vor der Bewilligung. „Mehr geht zurzeit aber nicht“, stellte Kraus dar, denn man stoße an die finanziellen Grenzen. Im Jahr 2010 würden vermutlich – in erster Linie dank des Konjunkturpakets II – rund 6 Millionen Euro in den Landkreis fließen, sagte der Abteilungsleiter. Gefördert werde aus drei Töpfen: aus EU-, Bundes- und Landesmitteln. Im nächsten Jahr sei wieder von einem deutlichen Rückgang der Landes- und Bundesmittel auszugehen, rechnete Kraus vor. Neue Anträge würden deshalb auf eine Warteliste gesetzt. Vorzeitige Baufreigaben seien nur möglich, wenn die Bewilligung des Projekts kurz bevor steht, berichtete er den Bürgermeistern.
Nach einer ausführlichen Darstellung der Dorferneuerungsvarianten ging Kraus auf das sogenannte ILEK ein, das integrierte ländliche Entwicklungskonzept. Beim ILEK handelt es sich um eine Art Vorplanung mit dem Ziel, den ländlichen Raum über die Förderung der ländlichen Entwicklung als Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturraum zu sichern und weiter zu entwickeln. Aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft, den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie der unausgewogenen demographischen Entwicklung sei dies notwendig, so Kraus.
Mit der integrierten ländlichen Entwicklung steht ein Instrument mit interkommunalem und regionalem Ansatz bereit, um ländliche Regionen eigenständig zu entwickeln. Gemeindeübergreifend sollen Entwicklungsstrategien erarbeitet werden, die durch den Einsatz der Instrumente des Amts für ländliche Entwicklung umgesetzt werden sollen. In den Gemeinden sollen die vorhandenen Kräfte gebündelt werden und gemeinde- und fachübergreifende, raumbezogene Entwicklungsansätze verfolgt werden. „Die Trägerschaft haben die Gemeinden“, erklärte Kraus, alle Entscheidungen würden in den jeweiligen Lenkungsgruppen getroffen. Die Planungskosten könnten mit bis zu 75 Prozent, maximal 50000 Euro, gefördert werden. Als Handlungsfelder des Konzepts benannte Kraus unter anderem Dorfentwicklung, Landschaft, Wirtschaft und Gewerbe, Freizeit, Tourismus, Infrastruktur und Klimaschutz. Nach Fertigstellung des Konzepts könnten die Gemeinden zudem eine Umsetzungsbegleitung einrichten. Derzeit gebe es in Unterfranken elf solcher interkommunaler Allianzen – beispielsweise im Kahlgrund mit zehn beteiligten Kommunen.
Peter Kraus bot den Bürgermeistern an, ein zweitägiges Strategieseminar an der Schule der Dorf- und Flurentwicklung in Klosterlangheim zu besuchen. Dort könne man gut miteinander reden und herausarbeiten, ob und wo es sinnvoll ist, dass Gemeinden kooperieren. Im Seminar wird eine Situationsanalyse erarbeitet, aus der erste gemeinsame Handlungsfelder und Ziele abgesteckt werden. Weiter erhalten die Teilnehmer umfangreiche Informationen über die Möglichkeit der Erarbeitung eines integrierten ländlichen Entwicklungskonzeptes, über mögliche Organisationsstrukturen und Aufgabenverteilung.
Den Wortmeldungen der Bürgermeister war zu entnehmen, dass das Angebot auf großes Interesse stößt. Viele Gemeinden arbeiten schon in diversen Bereichen zusammen, aber es gibt noch Nachholbedarf. Einige Bürgermeister machten darauf aufmerksam, dass ein Entwicklungskonzept nicht an Bundesländergrenzen Halt machen dürfe. Sowohl im Südspessart als auch im Odenwald ist die Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten in Baden-Württemberg oder Hessen notwendig. „Es wäre gut, wenn Städte wie Buchen oder Walldürn mitmachen könnten“, sagte beispielsweise Amorbachs Bürgermeister Peter Schmitt und erntete hierfür Kopfnicken. Auch Peter Kraus schloss sich dieser Meinung an: „Es wäre interessant und spannend, über Ländergrenzen hinweg zu arbeiten.“ Ob es allerdings in den Nachbarländern ähnliche Fördertöpfe gibt, muss erst geklärt werden. Da das ILEK aus Bundesmitteln gefördert wird, sollte dies der Fall sein, vermutete Kraus.
Bis 15. März sollen die Bürgermeister untereinander klären, welche Projekte im Seminar thematisiert werden sollen. Peter Kraus will derweil versuchen, noch in diesem Jahr einen Termin für das Seminar zu finden.
Alles Wissenswerte zur integrierten ländlichen Entwicklung ist im Internet unter www.landentwicklung.bayern.de nachzulesen.
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