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Pressemeldung vom 04.02.2010
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„Das Schönste, was jemandem passieren kann“ – Freude über die Einbürgerung

35 Männern und Frauen hat Claudia Kappes, stellvertretende Landrätin des Landkreises Miltenberg, am Montag im Landratsamt Miltenberg ihre Einbürgerungsurkunden überreicht. Neben der Übergabe der Urkunden und der musikalischen Umrahmung durch das Gitarrenduo der Musikschule Obernburg beeindruckte die Gäste besonders die Rede eines eingebürgerten Geschwisterpaars aus Togo.
Kappes beglückwünschte die Männer und Frauen, darunter acht Jugendliche, zunächst zur Entscheidung, Deutscher zu werden. Das sei ein Bekenntnis „zu unserem Land, zu unseren Menschen und zu unserem Staat“, sagte sie. Der Tag der Einbürgerung sei „ein ganz besonderer Tag“ für die Menschen, die aus vielen Teilen der Welt in den Landkreis Miltenberg gekommen seien: 15 aus der Türkei, sieben aus dem Kosovo, drei aus Armenien, je zwei aus Polen, Togo und Vietnam sowie jeweils ein Bürger aus Belgien, Kuba, Pakistan und Sri Lanka. Der Landkreis Miltenberg, versprach die stellvertretende Landrätin, sei ein toleranter und weltoffener Landkreis, der sich über die neuen Bürger freue. Mit der Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft erhielten die Eingebürgerten nicht nur den deutschen Pass, sondern auch grundlegende Rechte, sagte Kappes und nannte unter anderem das uneingeschränkte Recht auf Freizügigkeit, das visafreies Reisen in viele Länder gestattet.

Die Bundesrepublik sei eine Wertegemeinschaft und ein demokratischer Rechtsstaat, zusammengehalten von der Verfassung. Kappes zitierte den ersten Artikel des Grundgesetzes, wonach die Würde des Menschen unantastbar ist. Alle Menschen seien gleich, ungeachtet ihrer Person, ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihres Geschlechtes, sagte sie und mahnte einen respektvollen Umgang untereinander an und forderte eine solidarische Gemeinschaft der Menschen. „Wir brauchen eine Zivilgesellschaft, die sich engagiert“, meinte Kappes und bekräftigte: „Der Staat sind wir alle.“ Die Einbürgerung sei nicht das Ende der Integration, der Landkreis brauche die Eingebürgerten als Vermittler und Brückenbauer zwischen den Zugewanderten und den Alt-Landkreisbewohnern. Es sei nicht nur wichtig, dass sich die neuen Deutschen für Deutschland, seine Geschichte und seine Kultur interessieren, sondern auch die Sprache möglichst perfekt beherrschen. Die Sprache sei unabdingbar für das berufliche Vorkommen und darüber hinaus der Schlüssel zur Verständigung.

Ein eindrucksvolles Beispiel, wie Integration vorbildlich gelebt wird, vermittelten Fulbert und Fulberta Amouzouvi. Die Zwillinge, die im afrikanischen Staat Togo geboren wurden, ergriffen das Wort und bezeichneten die Einbürgerung als „das Schönste, was jemandem passieren kann.“ Ihr Vater war als Asylsuchender nach Deutschland gekommen und durfte schließlich seine Kinder nachkommen lassen. Ende Dezember 2004 waren die Kinder nach Deutschland gekommen, haben hier erstmals Schnee erlebt, in rasanter Geschwindigkeit Deutsch gelernt und sich zu guten, engagierten Schülern entwickelt. Ständiger Ansporn, weiter zu kommen, war vom Vater gekommen. „Keinen Bock gibt es nicht“, diese Botschaft habe der Vater stets vermittelt und den Kindern die Weisheit mit auf den Weg gegeben, dass man etwas erreichen kann, wenn man es nur will. „Deutscher zu sein, ist ein supertolles Gefühl“, erklärte Fulbert. Beide Geschwister sind große Fußballfans und spielen mit großer Begeisterung und Talent bei der JFG Mainlimes – Fulbert hatte sogar ein Angebot für das Fußballinternat in Nürnberg.

Nicht nur Claudia Kappes zeigte sich von den Worten stark beeindruckt, auch Niedernbergs Bürgermeister Jürgen Reinhard, in dessen Gemeinde die Familie lebt. „Als die Familie Amouzouvi nach Niedernberg gezogen ist, haben sie sich zuerst erkundigt, wo sie Fußball spielen können“, erinnerte er sich. Die Familie sei mittlerweile auf vielen Feierlichkeiten zu sehen, freute er sich. „Ich glaube, keiner hätte geahnt, dass sie keine Deutschen sind“, stellte er heraus und gratulierte allen am Montag Eingebürgerten zur deutschen Staatsbürgerschaft.

Alle hätten ihr Bekenntnis zur Bundesrepublik abgegeben, sagte Reinhard. Für die Gemeinden sei ganz wichtig, dass sich die Eingebürgerten hier wohlfühlen, so Reinhard. Er wies darauf hin, dass die Kommunen im Landkreis bei der Integration unterschiedliche Fragestellungen hätten, was man schon am Ausländeranteil sehe. Niedernberg liege bei 4,5 Prozent, der Anteil in Erlenbach und Elsenfeld dagegen sei fünfmal so hoch. „Nehmen Sie Anteil am öffentlichen Leben, integrieren Sie sich in Ihrer Heimatgemeinde, arbeiten Sie mit in Vereinen und Verbänden“, rief Reinhard den Eingebürgerten zu. „Es ist schade, wenn jemand Jahrzehnte hier wohnt und nicht die deutsche Sprache spricht, sich abschottet oder gar ein isoliertes Leben führt“, sagte er und schloss mit den Worten „Die Gemeinschaft braucht Sie – Sie brauchen die Gemeinschaft.“

Einbürgerungsfeier im Landratsamt Miltenberg

Mit dem Singen der deutschen Nationalhymne, begleitet von den „Jugend musiziert“-Preisträgern Florian Brettschneider und Tom Hofmann an der Gitarre, endete der offizielle Teil der Einbürgerungsfeier, der sich ein Empfang anschloss.

 

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