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Pressemeldung vom 10.03.2010
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Meinrad Lebold ist neuer Kreisbrandrat

Mit 58 zu 20 Stimmen haben die Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehren und der Werksfeuerwehren am Sonntag in der Miltenberger Mehrzweckhalle Meinrad Lebold (Großheubach) zum neuen Kreisbrandrat gewählt und ihm damit den Vorzug vor Klaus Babilon (Mömlingen) gegeben. Lebold folgt somit am 1. April Karlheinz Brunner, der sein Amt während seiner vierten Amtszeit abgibt.

Landrat Roland Schwing hatte zu Beginn der Veranstaltung davon gesprochen, dass mit Brunners Abschied eine große Ära zu Ende gehe. Seit es den Landkreis Miltenberg gibt, sei erst zum dritten Mal ein Kreisbrandrat zu wählen, sagte er. Das Sturmtief Cynthia habe erst kürzlich verdeutlicht, „dass wir im Landkreis ein gut funktionierendes Rettungs- und Hilfeleistungssystem haben.“ Schwing dankte den Feuerwehrleuten für deren ehrenamtlichen Einsatz. „Sie verwenden Ihre Zeit, Ihre Kräfte und Ihr Wissen darauf, Ihren Mitmenschen zu helfen“, lobte Schwing. Die Wehren seien auch 2009 wieder stark gefordert gewesen, zahlreiche schlimme Schadensereignisse hätten bewältigt werden müssen.  Es sei auch wichtig, dass die Wehren mit der entsprechenden Ausrüstung versorgt werden, sagte Schwing und stellte klar, dass der Landkreis Miltenberg seinen gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen werde. Nicht alles Wünschenswerte sei in Zeiten angespannter Haushaltsmittel machbar, „aber alles Notwendige wird realisiert“, sicherte Schwing zu.

Zur Integrierten Leitstelle meinte der Landrat, dass diese im Oktober 2011 in den Probebetrieb gehen werde, im Februar 2012 in den Echtbetrieb. Dies setze voraus, dass auch die flächendeckende Alarmierung sämtlicher Einsatzkräfte und die uneingeschränkte Kommunikation mit allen Hilfskräften gewährleistet sei. Ob der Digitalfunk bis 2012 flächendeckend in Bayern eingeführt werde, sei zweifelhaft. Aufklärung erhofft sich der Landrat beim Besuch des Innenstaatssekretärs Eck am Freitag, 12. März.

Zum Rücktritt des Kreisbrandrats sagte Schwing, dass er diesen Beschluss bedauere, ihn aber akzeptieren müsse. Er dankte Karlheinz Brunner für dessen langjährigen Dienst für den Landkreis und bezeichnete ihn als „Feuerwehrmann mit Leib und Seele“, der von der Idee des ehrenamtlichen und unermüdlichen Einsatzes zum Schutz von Hab und Gut überzeugt sei. Brunner habe sich stets mit Tatkraft, Engagement und weitsichtigem Handeln ausgezeichnet. Er habe einen guten Kontakt zu den Feuerwehren gepflegt und sich für sie eingesetzt. Unter Brunner sei die Ausrüstungssituation im Landkreis deutlich verbessert worden. Auch das unter Brunner entwickelte Gefahrgut-Abwehrkonzept sei vorbildlich und richtungweisend. Weitere Redner pflichteten Schwing bei, bedauerten Brunners Rücktritt und lobten dessen engagierte Amtsführung. Für Miltenbergs Bürgermeister Joachim Bieber beispielsweise steht der scheidende Kreisbrandrat für „Leistung, Wissen und Erfahrung“.

Der Landrat hatte nach reiflicher Überlegung zwei Kandidaten vorgeschlagen, da beide die notwendige Qualifikation für das Amt des Kreisbrandrats hätten. Er umriss das große Tätigkeitsfeld kurz: Alarmplanung, Einsatzleitung bei größeren Einsätzen, Beratung von Feuerwehren, Landkreis und Gemeinden, gutachterliche Tätigkeit, Ausbildung und viele weitere Aufgaben.

Zu den Kandidaten: Klaus Babilon, 40 Jahre alt, hat seit seinem Eintritt in die Jugendfeuerwehr Mömlingen alle Stufen der Feuerwehr durchlaufen und ist seit 2000 Kommandant der Mömlinger Wehr. Der bei der Werksfeuerwehr von Pirelli beschäftigte Babilon absolvierte zahlreiche Lehrgänge – wie auch sein Gegenkandidat Lebold. Wie Lebold wollte auch er im Fall seiner Wahl zusätzliche Fachbereiche bilden und die Struktur der Feuerwehrführung ändern. Lebold, 49 Jahre alt, stellte sich ebenfalls als erfahrener Feuerwehrmann vor – seit 1986 kommandiert er die Großheubacher Feuerwehr, darüber hinaus ist er unter anderem auch Kreisbrandmeister. Der in der Gemeinde in Großheubach tätige Lebold war von der Kreisbrandinspektion vorgeschlagen worden.

Gerhard Rosel vom Landratsamt gab nach der geheimen Wahl das Ergebnis bekannt – rund 75 Prozent der Stimmen entfielen dabei auf Meinrad Lebold. Für Kreisbrandrat Karlheinz Brunner war dies ein deutliches Zeichen, dass es bei den Feuerwehren keinen Nord-Süd-Graben gibt – Lebold hatte seine Stimmen offenbar quer durch den Landkreis geholt.

Der neue Kreisbrandrat kündigte für Karlheinz Brunner eine würdige Verabschiedung an und ging auf die Arbeit ein, die auf ihn in den nächsten Jahren zukommt. Dazu zählen unter anderem die Weiterplanung rund um die Integrierte Leitstelle, das Thema Digitalfunk, Konzepte zur Feuerwehrentwicklung, die Umsetzung eines Organisationskonzepts, die Überarbeitung der Hilfskontingentzusammenstellung zusammen mit dem THW, die Weiterentwicklung des Katastrophenschutzes und die Sicherstellung der Ausbildung.

Der scheidende Kreisbrandrat Karlheinz Brunner Karlheinz Brunner stellte klar, dass er ohne Groll geht. Die immer schlechter werdenden Rahmenbedingungen hätten ihn zum vorzeitigen Rücktritt veranlasst, sagte er und wies auf die Doppelbelastung von zwei 50-Prozent-Arbeitsstellen bei der Stadt Miltenberg und dem Landkreis hin. Er habe Vorschläge gemacht, die ihm die Arbeit erleichtert hätten – diese seien aber nicht zu realisieren gewesen, bedauerte er. Kritisch beleuchtete er die Tatsache, dass immer mehr Entscheidungen, die die Feuerwehr betreffen, von Verwaltungsbeamten getroffen würden – häufig sogar auf EU-Ebene. „Immer mehr Verordnungen machen den Dienst in der Feuerwehr fast unmöglich“, beobachtete Brunner. Die Feuerwehren im Kreis seien dennoch gut ausgerüstet – auch wenn viele Autos und Geräte über 25 Jahre auf dem Buckel hätten. „Es war eine tolle Zeit“, sagte Brunner und hob hervor, dass das Erreichte nicht möglich gewesen wäre ohne die Mithilfe vieler Feuerwehrleute sowie seiner Familie und seiner Freunde. Auch der neue Kreisbrandrat Meinrad Lebold würdigte die Unterstützung, die er stets von Karlheinz Brunner erhalten habe. „Ich habe Respekt vor Deiner Entscheidung“, sagte er zu Brunner und bedauerte, dass es nicht gelungen sei, Brunner vom Rücktrittsentschluss abzuhalten.

Zahl der Aktiven hat sich leicht erhöht
2164 Mal sind die Feuerwehren im Landkreis Miltenberg im vergangenen Jahr alarmiert worden, hat Kreisbrandrat Karlheinz Brunner in der Kommandantentagung am Sonntag bekannt gegeben. 1375 Einsätze davon leisteten die Freiwilligen Feuerwehren, den Rest die Werksfeuerwehren.

Der Großteil der Einsätze entfiel mit 829 auf technische Hilfeleistungen, zu Brandeinsätzen mussten die Wehren 222 Mal ausrücken. 12816 Feuerwehrleute leisteten dabei 26667 Stunden, rechnete Brunner vor. Immerhin 960 Stunden mussten die Wehren für das Ausrücken zu Fehlalarmen aufwenden, aber auch 200 Stunden verbrachten Feuerwehrleute damit, bei akuten Gefahren versperrte Wohnungstüren zu öffnen. Die Zahl der Aktiven habe sich im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr leicht von 2945 auf 2953 erhöht. Der Großteil davon, 2710, sind Männer. Aber auch bei der Jugend sieht es gut aus, wie Brunner sagte: 148 Jugendliche unter zwölf Jahren sowie 620 über zwölf Jahren bildeten die Basis für Nachwuchs bei den Aktiven. Die Landkreisfeuerwehr verfügt zudem über 953 Atemschutzgeräteträger. Brunner legte auch eine Liste aller im vergangenen Jahr neu gewählten Kommandanten vor sowie eine Übersicht der Fahrzeuge, die in Dienst gestellt wurde. Zahlreiche Feuerwehrleute hätten zudem Lehrgänge besucht und sich weitergebildet.  Im Bereich Nord hätten im vergangenen Jahr bei 18 Terminen 257 Feuerwehrleute Leistungsprüfungen abgelegt, im Bereich Süd waren es bei 19 Terminen 241 Leute. Auch im vergangenen Jahr seien im Landkreis zahlreiche Feuerwehrleute für ihren langjährigen Einsatz geehrt worden, blickte Brunner zurück. Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Zahl der Ehrungen für jahrzehntelangen Dienst sinken werde, da die berufliche Belastung der Feuerwehrleute, häufig verbunden mit auswärtigen Arbeitsplätzen, ständig zunehme.

Auch er, Brunner, sei viel unterwegs gewesen. In 2009 habe er insgesamt 49 Feuerwehren besucht, in 2010 bereits 13 Wehren. Auch habe er an zahlreichen Tagungen und Klausuren teilgenommen, sagte Brunner und zählte als Beispiel 17 Treffen zur Vorbereitung der integrierten Leitstelle auf.

Letzte Bilanz für Feuerwehrverbandsvorsitzenden Brunner
Der Kreisfeuerwehrverband Miltenberg vertritt seinem Vorsitzenden Karlheinz Brunner zufolge 2500 aktive Mitglieder. In der Hauptversammlung am Sonntag in Miltenberg zog Brunner letztmals Bilanz des vergangenen Jahres. Rechne man Jugendliche sowie fördernde, passive und Ehrenmitglieder hinzu, komme der Verband mit Stand 1. Januar 2010 auf insgesamt 6938 Mitglieder.

Den Haushalt für das Jahr 2010 stellte Schatzmeister Johannes Becker vor. Demnach rechnet der Verband  mit Einnahmen in Höhe von 10168 Euro, wobei die Beiträge der Mitgliedsfeuerwehren mit 6308 Euro der größte Posten sind. Bei den Ausgaben sind die Beiträge an den Bezirks- und Landesfeuerwehrverband mit 5396 Euro die größten Posten, aber auch für die Öffentlichkeitsarbeit werden 1500 Euro eingeplant. Man hofft, am Jahresende wieder knapp 2000 Euro in die Rückstellungen einbuchen zu können.

Kreisjugendfeuerwehrwart Wolfgang Schmitt berichtete von einem Angebot der Landesjugendfeuerwehr, ins Legoland zu fahren. Am 18. März werde in Kleinwallstadt die Delegiertenversammlung der Jugendfeuerwehr stattfinden, kündigte er an.

Die Frauenbeauftragte Edith Horn blickte auf einen interessanten Besuch der Feuerwehrfrauen bei der Obernburger Feuerwehr zurück, wo das Dekontaminationsfahrzeug steht. Dabei wurde vorgeführt, wie Personen fachgerecht dekontaminiert werden. Beim Kreisfeuerwehrtag hätten die Frauen den fachgerechten Umgang mit technischem Gerät demonstriert. Darüber hinaus hätten die Frauen die Firma Schmitt Brandschutz besucht. „Wir sind auf einem guten Weg, die Zahl der aktiven Frauen steigern zu können“, reagierte Karlheinz Brunner auf Horns Worte. Abschließend wies er darauf hin, dass der neue Kreisbrandrat Meinrad Lebold auch der neue Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands sein wird.

Für den Bezirksverband kritisierte Karl Georg Kolb die schwierige Kommunikation der Feuerwehren mit dem Bayerischen Innenministerium – unter anderem beim Thema Integrierte Leitstelle und der Umstellung auf den Digitalfunk. „Der Digitalfunk wird nicht im Jahr 2013 zur Verfügung stehen“, orakelte Kolb. Auch wenn es um die Förderung von Feuerwehrgerätehäusern und Stellplätzen gehe, stoße man in München auf eine Mauer. „Wir haben eine sehr vernünftige Lösung vorgelegt, wie eine gerechte und höhere Förderung möglich ist“, sagte Kolb, man beiße bei der Ministerialbürokratie aber auf Granit. Dort säßen Verwaltungsbeamte und keine Feuerwehrleute, bedauerte Kolb.

Kreisbrandinspektor Horst Friedrich (Odenwaldkreis) berichtete, dass die hessischen Feuerwehren ähnliche Probleme wie die bayerischen mit der Funkumstellung hätten. Wichtig sei, dass man den Zeitpunkt der Umstellung in ganz Deutschland so eng wie möglich halte, damit nicht verschiedene Funksysteme gleichzeitig vorgehalten werden müssten.

 

 

 

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