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15.11.2012

Pressemitteilung Reger Andrang beim Hospiz- und Palliativtag

Die Sorge um die Schwerstkranken stand beim mittlerweile siebten Hospiz- und Palliativtag im Elsenfelder Bürgerzentrum erneut im Mittelpunkt. Dass dieses Thema die Menschen bewegt, zeigte sich am Interesse der Bürgerinnen und Bürger: Über 200 Gäste wohnten der Eröffnung und den Vorträgen bei und informierten sich an den zahlreichen Ständen der Kooperationspartner des veranstaltenden Arbeitskreises Palliativ-Hospiz.

Landrat Roland Schwing begrüßte in seiner Eröffnungsrede die Tatsache, dass das wichtige Thema „Ernährung in der letzten Lebensphase“ im Mittelpunkt des Hospiz- und Palliativtags stand. Der Landrat freute sich sehr, dass das Engagement und die Möglichkeiten der hospizlichen und palliativmedizinischen Versorgung der schwerstkranken und sterbenden Menschen seit letztem Jahr weiter zugenommen hätten – beispielsweise durch die neu eröffnete palliativmedizinische Tagesklinik am Klinikum Aschaffenburg. Auch sei für Stadt und Landkreis Aschaffenburg eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung im Aufbau, deren Wirkungskreis sich auch auf den Landkreis Miltenberg erstrecken soll. Schwing würdigte den Einsatz aller Personen, Institutionen und Einrichtungen, die sich in der Region der hospizlichen und palliativ-medizinischen Betreuung und Versorgung widmen und dankte sämtlichen Unterstützern des Hospiz- und Palliativtags.

Richard Hornung, stellvertretender Elsenfelder Bürgermeister, stellte in seinem Grußwort fest, dass die Hospiz- und Palliativthematik in der gesellschaftlichen Diskussion häufig noch ein Tabuthema sei. Es sei aber wichtig, die Problematik ins Rampenlicht zu rücken, so Hornung.

Oberarzt Alfred Paul (Klinik für Palliativmedizin, Aschaffenburg) informierte über die neue palliativmedizinische Tagesklinik am Klinikum Aschaffenburg, die die Lücke zwischen stationärer und ambulanter Versorgung schließt. Das Pilotprojekt, das am 1. Oktober startete, sei auf zwei Jahre befristet. Ohne den starken politischen Rückenwind wäre dieses Vorhaben vermutlich nie genehmigt worden, sagte Paul. Er sei selbst überrascht, wie schnell die Tagesklinik ihren Betrieb aufgenommen habe, nachdem erst im August die Zusage gekommen sei. Zwei Patienten könnten pro Tag aufgenommen werden, sagte Paul und bezifferte die durchschnittliche Verweildauer auf drei Stunden pro Tag. Den Patienten stehe ein breites Therapieangebot zur Verfügung. Damit unterstütze man nicht nur die Patienten und die Angehörigen, sondern auch die niedergelassenen Kollegen. Eine Konkurrenz zu bestehenden Versorgungsstrukturen wolle man aber nicht sein.

Für Wolfgang Zöller, den Patientenbeauftragten der Bundesregierung, muss die Palliativversorgung jedes Patienten gewährleistet sein – ob im Heim, im Hospiz oder zu Hause. Die Politik habe geeignete Rahmenbedingungen für eine Verbesserung der Palliativversorgung geschaffen, sagte Zöller und listete zahlreiche Fakten auf. So hätten Schwerstkranke mittlerweile das Recht auf Betreuung und Begleitung durch sogenannte Palliativ-Care-Teams. Speziell in Bayern stünden dank eines Modellprojekts pro Jahr 100.000 Euro für die Bildung neuer SAPV-Teams zur Verfügung, informierte Zöller. Auch wenn eine deutliche Weiterentwicklung der spezialisierten ambulanten Palliativ-Versorgung zu erkennen sei, so müsse man doch feststellen, dass sie noch nicht für alle zur Verfügung steht, bedauerte der Bundestagsabgeordnete. Hier brauche es noch größeres Engagement aller Beteiligten.

Dr. Wolfgang Grimm und Steffen Naumann berichteten vom Aufbau des SAPV-Teams für Stadt und Landkreis Aschaffenburg, das auch den Landkreis Miltenberg versorgen soll. Das Startteam befinde sich zurzeit im Zulassungsverfahren, sagte Naumann. Für den Start brauche man zwischen 250.000 und 300.000 Euro. Dieses Geld müsse der Träger aufbringen, deshalb sei man in intensiven Gesprächen mit möglichen Geldgebern. Der Start sei für den 1. April 2013 geplant. Rund zehn Prozent aller Sterbenden bräuchten eine SAPV-Versorgung, zitierte Naumann aus Schätzungen. Diese Versorgung könne von Ärzten für eine Dauer von sieben bis 28 Tagen verordnet werden, eventuell auch länger.

Auf offene Ohren stießen auch die sehr gut besuchten Vorträge von Dr. Rainer Schäfer (Juliusspital Würzburg) zum Thema „Meine Mutter darf doch nicht verhungern und verdursten… – Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme am Lebensende“ sowie von Dr. Wilhelm Freiherr von Lamezan (Rotkreuzklinik Wertheim) über „Genießen am Lebensende“.

Den ganzen Nachmittag über nutzten die Gäste zudem die Gelegenheit rege, sich an den zahlreichen Informationsständen zu informieren und sich auszutauschen. Die musikalische Gestaltung des Nachmittags lag in den Händen von Christian Schmitt, der mit einer Sängerin musikalische Momente darbot. Die Turnerfrauen des Sportvereines Eichelsbach übernahmen die Bewirtung; der Erlös ist für die Hospizarbeit bestimmt. 


Landrat Schwing eröffnete den Hospiz- und Palliativtag

Landrat Roland Schwing eröffnete im Elsenfelder Bürgerzentrum vor vollen Reihen den Hospiz- und Palliativtag.

Dass Schwerstkranke mittlerweile das Recht auf Betreuung und Begleitung durch sogenannte Palliativ-Care-Teams haben, teilte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (links), mit.
Dass Schwerstkranke mittlerweile das Recht auf Betreuung und Begleitung durch sogenannte Palliativ-Care-Teams haben, teilte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (links), mit.

Die Gäste des Palliativ- und Hospiztages nutzten die Gelegenheit rege, sich an den Ständen mit Informationsmaterial zu versorgen und sich auszutauschen.
Die Gäste des Palliativ- und Hospiztages nutzten die Gelegenheit rege, sich an den Ständen mit Informationsmaterial zu versorgen und sich auszutauschen.

Keine Fragen blieben beim Vortrag von Dr. Rainer Schäfer zum Thema „Meine Mutter darf doch nicht verhungern und verdursten… – Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme am Lebensende“ offen.
Keine Fragen blieben beim Vortrag von Dr. Rainer Schäfer zum Thema „Meine Mutter darf doch nicht verhungern und verdursten… – Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme am Lebensende“ offen.

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